A Liminal State,
2026, 3-part spatial installation
Verschmelzung, 2026 Single-channel video (infrared), stereo sound, 4:30 min. (loop)
Fetisch, 2026 Aluminum frame, PMMA optical fibers, LED edge lighting, 150 × 50 cm
Auf Distanz, 2026 Two-channel audio, horn loudspeaker (white), 05:45 min. (loop)
13. Juni–02. Aug. 2026, once you’re there it’s easy to find, Haus Coburg, Delmenhorst
Benjamin Schlemmers künstlerisches Schaffen, das Film, Klangkunst und Installation umfasst, bewegt sich konsequent in den Schwellenbereichen der Wahrnehmung. Er untersucht, wie Realitäten durch Prozesse der Auswahl, Auslassung und Interpretation konstruiert werden. Sein Fokus liegt dabei auf Elementen, die sich gewöhnlich in der Peripherie unserer Wahrnehmung bewegen: verlassene urbane Räume, digitale Klangfragmente oder mediale Bilder ferner Ereignisse. Indem Schlemmer diese Fragmente isoliert und in neue Kontexte setzt, rückt er das scheinbar Nebensächliche oder bewusst Ausgeblendete ins Zentrum und macht es zu einer tragenden ästhetischen Komponente seines Werks.
Zentral für sein aktuelles Werk ist die Auseinandersetzung mit der Theorie der „Liminal Spaces“. Diese wurzelt in Arnold van Genneps Konzept der Rites de Passage, welches den Übergang zwischen sozialen Zuständen in drei Phasen unterteilt, wobei die „Liminalität“ die entscheidende Schwellenphase markiert. Victor Turner erweiterte diesen Ansatz um die liminale Phase – einen Zustand des „Dazwischen“ (betwixt and between), in dem gewohnte Strukturen und Identitäten vorübergehend aufgehoben sind. In der konkreten räumlichen Praxis überschneiden sich diese Schwellenräume oft mit den von Marc Augé definierten „Nicht-Orten“: funktionale Transiträume wie leere Hotelflure oder Bahnhöfe, die keine Identität stiften und dem reinen Durchgang dienen.
Schlemmer überträgt dieses Prinzip der strukturellen Ungewissheit auf die mediale Gegenwart: Durch die Taktung nie endender Krisen und deren permanenten Konsum entsteht ein kollektives Gefühl, sich in einem globalen, medialen Liminal Space zu befinden. Es ist ein Raum, der nicht zum Verweilen gemacht ist, der aber weder ein Vor noch ein Zurück erlaubt, da konkrete Lösungen fehlen. Der ursprüngliche Übergangszustand wird hier zur dauerhaften existenziellen Erfahrung.
Diese theoretische Reflexion wird in der dreiteiligen Rauminstallation Ein Liminaler Zustand physisch erfahrbar. Der gesamte Raum ist in ein intensives Rot getaucht – eine Schwelle, an der die Betrachter:innen gezwungen sind zu verweilen. Hier verknüpft Schlemmer die Liminalität direkt mit politischen Zäsuren, wie der Invasion der Ukraine. Die Installation macht das erzwungene Gefühl, in einem permanenten Zwischenzustand zwischen fernen Kriegsereignissen und der unmittelbaren persönlichen Realität zu leben, räumlich spürbar. Fragile, ästhetisierte Bilder der Krise enthüllen dabei eine konstruierte, subjektive und letztlich instabile Realität.
In dieser immersiven Umgebung wird das emotionale Paradoxon unserer Zeit erfahrbar: eine Mischung aus Mitgefühl und gleichzeitiger medialer Distanz. Die Installation provoziert eine Anteilnahme, die untrennbar mit Schuldgefühlen verbunden ist, die aus der Reflexion der eigenen Privilegien resultieren. Schlemmer lädt dazu ein, diese Unsicherheit nicht als Leere, sondern als notwendigen Raum der Auseinandersetzung zu erfahren.












Fotos © Jens Weyers
Fotos © Jens Weyers
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A Liminal State,
2026, 3-part spatial installation
Verschmelzung, 2026 Single-channel video (infrared), stereo sound, 4:30 min. (loop)
Fetisch, 2026 Aluminum frame, PMMA optical fibers, LED edge lighting, 150 × 50 cm
Auf Distanz, 2026 Two-channel audio, horn loudspeaker (white), 05:45 min. (loop)
13. Juni–02. Aug. 2026, once you’re there it’s easy to find, Haus Coburg, Delmenhorst












Fotos © Jens Weyers
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Fotos © Jens Weyers
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Fotos © Jens Weyers
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Fotos © Jens Weyers
Benjamin Schlemmers künstlerisches Schaffen, das Film, Klangkunst und Installation umfasst, bewegt sich konsequent in den Schwellenbereichen der Wahrnehmung. Er untersucht, wie Realitäten durch Prozesse der Auswahl, Auslassung und Interpretation konstruiert werden. Sein Fokus liegt dabei auf Elementen, die sich gewöhnlich in der Peripherie unserer Wahrnehmung bewegen: verlassene urbane Räume, digitale Klangfragmente oder mediale Bilder ferner Ereignisse. Indem Schlemmer diese Fragmente isoliert und in neue Kontexte setzt, rückt er das scheinbar Nebensächliche oder bewusst Ausgeblendete ins Zentrum und macht es zu einer tragenden ästhetischen Komponente seines Werks.
Zentral für sein aktuelles Werk ist die Auseinandersetzung mit der Theorie der „Liminal Spaces“. Diese wurzelt in Arnold van Genneps Konzept der Rites de Passage, welches den Übergang zwischen sozialen Zuständen in drei Phasen unterteilt, wobei die „Liminalität“ die entscheidende Schwellenphase markiert. Victor Turner erweiterte diesen Ansatz um die liminale Phase – einen Zustand des „Dazwischen“ (betwixt and between), in dem gewohnte Strukturen und Identitäten vorübergehend aufgehoben sind. In der konkreten räumlichen Praxis überschneiden sich diese Schwellenräume oft mit den von Marc Augé definierten „Nicht-Orten“: funktionale Transiträume wie leere Hotelflure oder Bahnhöfe, die keine Identität stiften und dem reinen Durchgang dienen.
Schlemmer überträgt dieses Prinzip der strukturellen Ungewissheit auf die mediale Gegenwart: Durch die Taktung nie endender Krisen und deren permanenten Konsum entsteht ein kollektives Gefühl, sich in einem globalen, medialen Liminal Space zu befinden. Es ist ein Raum, der nicht zum Verweilen gemacht ist, der aber weder ein Vor noch ein Zurück erlaubt, da konkrete Lösungen fehlen. Der ursprüngliche Übergangszustand wird hier zur dauerhaften existenziellen Erfahrung.
Diese theoretische Reflexion wird in der dreiteiligen Rauminstallation Ein Liminaler Zustand physisch erfahrbar. Der gesamte Raum ist in ein intensives Rot getaucht – eine Schwelle, an der die Betrachter:innen gezwungen sind zu verweilen. Hier verknüpft Schlemmer die Liminalität direkt mit politischen Zäsuren, wie der Invasion der Ukraine. Die Installation macht das erzwungene Gefühl, in einem permanenten Zwischenzustand zwischen fernen Kriegsereignissen und der unmittelbaren persönlichen Realität zu leben, räumlich spürbar. Fragile, ästhetisierte Bilder der Krise enthüllen dabei eine konstruierte, subjektive und letztlich instabile Realität.
In dieser immersiven Umgebung wird das emotionale Paradoxon unserer Zeit erfahrbar: eine Mischung aus Mitgefühl und gleichzeitiger medialer Distanz. Die Installation provoziert eine Anteilnahme, die untrennbar mit Schuldgefühlen verbunden ist, die aus der Reflexion der eigenen Privilegien resultieren. Schlemmer lädt dazu ein, diese Unsicherheit nicht als Leere, sondern als notwendigen Raum der Auseinandersetzung zu erfahren.
Benjamin Schlemmer
My artistic practice spans film, sound art and installation, exploring how realities are formed through processes of selection, omission and interpretation.
I am drawn to elements that are usually unnoticed or deliberately excluded. These include abandoned urban spaces, discarded fragments of digital sound, invisible technological systems, and mediated images of distant events. By isolating and recontextualising these residual layers, I bring them into the foreground, turning absence into a central aesthetic and conceptual component.
Reconstruction from incomplete information is a recurring method in my work. Examples include architectural forms reconstructed from incomplete archival imagery, sound composed from restoration artefacts, and organic systems controlled by digital data. These serve to expose how unstable and subjective our understanding of reality can be.
Sound plays a structural role throughout my practice. I often generate compositions from the traces of physical or digital processes, transforming them through feedback and abstraction to create immersive atmospheres oscillating between familiarity and unease.
My works function as perceptual environments rather than linear narratives. They invite viewers to experience uncertainty and question how reality is mediated, constructed, and emotionally internalised.

Education
Hochschule für Künste Bremen
Meisterschülerstudium (Master Student), Fine Arts
Apr 2025 – Feb 2026
Prof. Julika Rudelius
Hochschule für Künste Bremen
Klasse Rudelius, Fine Arts
Apr 2023 – Feb 2026
Hochschule für Künste Bremen
Master of Arts, Digital Media
Oct 2019 – Mar 2025
Graduation Project: An Interpretation of Reality
Exhibited at K-Strich Bremen
Supervised by Prof. Ralf Baecker and Prof. Julika Rudelius
Rhine-Waal University
Bachelor of Arts, Information & Communication Design
Sep 2014 – Feb 2018
Recent Exhibitions and Awards
once you’re there it’s easy to find – Haus Coburg, Delmenhorst
13. Juni–02. Aug. 2026, Group Show
An Interpretation of Reality — K-Strich, Bremen, 2025
Solo Show, Master Thesis Presentation
Last Seen Recently — Künstler:innenhaus Bremen, 2025
Group Show
Hochschultage — University of the Arts Bremen, 2025
Annual Group Show
St. Josy - Benzin, 2024
Silver Screenings, Berlin Music Video Awards
Lord of the Lost - Reset the Preset, 2024
Silver Screenings, Berlin Music Video Awards
Imprint – Website created with LayTheme – Font by pangrampangram.com
Benjamin Schlemmer
My artistic practice spans film, sound art and installation, exploring how realities are formed through processes of selection, omission and interpretation.
I am drawn to elements that are usually unnoticed or deliberately excluded. These include abandoned urban spaces, discarded fragments of digital sound, invisible technological systems, and mediated images of distant events. By isolating and recontextualising these residual layers, I bring them into the foreground, turning absence into a central aesthetic and conceptual component.
Reconstruction from incomplete information is a recurring method in my work. Examples include architectural forms reconstructed from incomplete archival imagery, sound composed from restoration artefacts, and organic systems controlled by digital data. These serve to expose how unstable and subjective our understanding of reality can be.
Sound plays a structural role throughout my practice. I often generate compositions from the traces of physical or digital processes, transforming them through feedback and abstraction to create immersive atmospheres oscillating between familiarity and unease.
My works function as perceptual environments rather than linear narratives. They invite viewers to experience uncertainty and question how reality is mediated, constructed, and emotionally internalised.

Education
Hochschule für Künste Bremen
Meisterschülerstudium (Master Student), Fine Arts
Apr 2025 – Feb 2026
Prof. Julika Rudelius
Hochschule für Künste Bremen
Klasse Rudelius, Fine Arts
Apr 2023 – Feb 2026
Hochschule für Künste Bremen
Master of Arts, Digital Media
Oct 2019 – Mar 2025
Graduation Project: An Interpretation of Reality
Exhibited at K-Strich Bremen
Supervised by Prof. Ralf Baecker and Prof. Julika Rudelius
Rhine-Waal University
Bachelor of Arts, Information & Communication Design
Sep 2014 – Feb 2018
Recent Exhibitions and Awards
once you’re there it’s easy to find – Haus Coburg, Delmenhorst
13. Juni–02. Aug. 2026, Group Show
An Interpretation of Reality — K-Strich, Bremen, 2025
Solo Show, Master Thesis Presentation
Last Seen Recently — Künstler:innenhaus Bremen, 2025
Group Show
Hochschultage — University of the Arts Bremen, 2025
Annual Group Show
St. Josy - Benzin, 2024
Silver Screenings, Berlin Music Video Awards
Lord of the Lost - Reset the Preset, 2024
Silver Screenings, Berlin Music Video Awards
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